„Lernen lernen“ – Impressionen vom Vertretertag in Halberstadt (01.10.2009)

 

Singekreis des Käthe-Kollwitz-
Gymnasiums

 

„Cecilia“ – mit diesem sehr gelungen vorgetragenen Evergreen des Pop-Duos Simon und Garfunkel eröffnete der Singekreis des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums den turnusmäßigen Vertretertag des Philologenverbandes Sachsen-Anhalt in Halberstadt. Das Käthe-Kollwitz-Gymnasium zeigte sich auf diese Veranstaltung optimal vorbereitet. Die Aula war als Tagungsstätte mit allem technisch Notwendigem ausgerüstet. Schriftliche Berichte und Fotos informierten über den Schüleraustausch mit Australien und Brasilien. Tagungsgetränke und ein kleiner Imbiss standen bereit. Herzlichen Dank allen an der Vorbereitung Beteiligten vor Ort und in der Merseburger Geschäftsstelle.

So fühlten sich nicht nur die Delegierten, sondern auch die Gäste des Vertretertages wohl in Halberstadt. Alle im Landtag Sachsen-Anhalts vertretenen Parteien waren mit ihren bildungspolitischen Sprechern vertreten.











Der stellvertretende Schulleiter des Kollwitz-Gymnasiums, Herr Weinert, begrüßt die Gäste des Vertretertages
 

 
 

Dr. Mannke – Nein zur Einheitsbesoldung

In seiner Begrüßungsrede ließ der Vorsitzende des PhVSA, Dr. Jürgen Mannke, keinen Zweifel daran, dass unsere Gewerkschaft die Einführung des Einheitslehrers, der an allen Schulformen einsetzbar sei, entschieden ablehne. „Die Folge der Einheitsbesoldung ist der Einheitslehrer. Am Ende dieses Prozesses steht die Einheitsschule. Eine solche Gleichmacherei muss verhindert werden!“, so Mannke. Grundschullehrer und Gymnasiallehrer hätten eine unterschiedliche Ausbildung und verschiedene Arbeitsfelder. Demnach müsse auch die Besoldung eine unterschiedliche sein.

Auch der Idee vom so genannten längeren gemeinsamen Lernen erteilte der Vorsitzende des PhVSA eine klare Absage. Kinder seien unterschiedlich begabt und müssten entsprechend ihrer Begabungen auch gefördert werden.

     

Staatsekretär Willems

 

Lernen nicht auf Zerstreuung, sondern auf Nachhaltigkeit ausrichten

Der Staatsekretär im Kultusministerium von Sachsen-Anhalt, Winfried Willems, wandte sich in seinem Grußwort gegen ein „neues Lernen um jeden Preis“. Es sei viel bedeutsamer, die passende Lernmethode für den jeweiligen Schüler zu finden, als neue Lernmethoden einzuführen, nur weil sie neu seien. Lernen dürfe nicht auf Zerstreuung des Publikums ausgerichtet sein, sondern müsse den Anspruch der Nachhaltigkeit erfüllen. Als dafür unentbehrlich und demnach für einen qualitativ hochwertigen Unterricht notwendig erweise sich vielmehr die Kombination von „wahrem Interesse für die Schülern und fachlicher Kompetenz“.

     

Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Peter Struck

 

Lernen durch Handeln, Ausprobieren, Fehler machen und nebenbei

In seinem 90minütigen Fachvortrag zum Thema „Lernen lernen“ plädierte der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Peter Struck von der Universität Hamburg für das Aufbrechen derzeitiger Unterrichtsformen, inhaltlich und strukturell. Ausgehend von den Ergebnissen der PISA-Studie 2000 analysierte er, die Ursachen hierfür suchend, die deutschsprachige Schullandschaft und fragte: „Was machen Schulen in Skandinavien anders?“ Und er wusste natürlich auch Antworten. Zwar habe sich die Schule in Deutschland nach dem PISA-Schock stetig positiv entwickelt, dennoch werde sie häufig als „Belehrungsanstalt“ mit „übertriebener Beschämungskultur“ und „falscher Fehlerkultur“ wahrgenommen. Zudem unterrichteten zu alte Lehrer/innen unter Zuhilfenahme von unangemessenen Methoden. Dafür sei aber die Lehrerausbildung verantwortlich. Unter anderem dies sei in den erfolgreichen PISA-Gewinner-Staaten anders. Dort werde mehr Wert auf eine Lernkultur gelegt, die nicht den Lehrer in den Mittelpunkt lege, sondern auf eine effiziente Lernkultur.

Die positivsten Lerneffekte würden durch Lernformen, wie Theater- und Rollenspiel, Singen, Szenisches Spiel (Lernen mit sechs Sinnen), Chorsprechen, Erklären untereinander, Handeln, Fehler machen, Präsentation und Aussprechen erreicht. Als weniger erfolgreich erwiesen sich das Lernen durch Teamarbeit und Rhythmisieren. Trüge man diesen Ergebnissen an den Schulen Rechnung, erfordere dies naturgemäß eine inhaltlich und strukturell andere Ausrichtung der Bildungseinrichtungen. Erste Erfolge auf diesem Weg sehe Prof. Dr. Struck schon in den eingerichteten Ganztagsschulen, der jahrgangsübergreifenden Lernfamilien, der flexiblen Schuleingangsphase, der versuchten individuellen Förderung der Schüler/innen sowie der Rhythmisierung der beginnenden Unterrichtszeiten.

     

Das Tagungspräsidium

 

PhVSA soll verstärkt Einfluss auf die Öffentlichkeitsarbeit der dbb tarifkommission nehmen

Im nichtöffentlichen Teil des Vertretertages stimmten die Delegierten einstimmig dem vom Bismarck-Gymnasium Genthin Magdeburg gestellten Antrag zur Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit der dbb tarifkommission. In ihrer Antragsbegründung äußerte die Delegierte, Frau Stölting, Unverständnis über die mangelhafte Informationspolitik der dbb tarifkommission bezüglich der Ergebnisse der letzten Tarifverhandlungen. So sei beispielsweise geradezu verschwiegen worden, dass die leistungsabhängige Zulage mit dem neuen Tarifvertrag weggefallen sei. Ein solches Handeln könne in Zukunft dazu führen, dass die Informationspolitik des dbb generell angezweifelt werde.

 
   

Beratung in den Arbeitsgruppen

Am Nachmittag trafen sich die Delegierten in verschiedenen Arbeitsgruppen, um in eine Diskussion mit Prof. Dr. Struck zu dessen Fachvortrag zu treten oder sich bei Hermann Weinert zum Doppelstunden-System zu informieren. Eine dritte Arbeitsgruppe unter Leitung von Klemens Weilandt beschäftigte sich auf durchaus humorvolle Weise mit der allgegenwärtigen Sprachverderbnis.

Der nächste Wahlvertretertag findet 2011 statt.